Unsere alte Dame plaudert zum drittenmal

Christuskirche

Bohrung durch das gesamte Mauerwerk für die Ankerschrauben

Also, was man in meinem Alter noch alles mit mir anstellt! Erst zieht man mir einen Arbeitskittel an und dann schnallt man mir auch noch einen Gürtel um.
Der Arbeitskittel hängt so an mir runter. Ich finde, Grün steht mir nicht. Etwas Längsgestreiftes, vielleicht in Kirchentagslila und einem pfingstlichen Weiß wäre mir lieber gewesen. So etwas macht ja auch schlank.

Naja, es ist ja nur ein Arbeitskittel.

Mein Gürtel ist, nebenbei bemerkt, aus Stahl. Den können Sie nicht sehen, der ist unter dem Kittel. Das ist mir auch lieber so. Das ist mir schon etwas peinlich, dass ich einen Stahlgürtel brauche, damit ich nicht aus den Fugen gerate, wenn die Fugen gesäubert werden.

Ich habe Glück, dass ich nicht kitzelig bin. So wie die Arbeiter an mit herumwerkeln.

Zeiger einer der Uhren vor dem Abtransport

Sie schaben und klopfen und bohren und kratzen… Keine Angst, das tut mir nicht weh, ich kichere nur manchmal leise in mich hinein.
Zur Zeit bin ich übrigens zeitlos ( hihi, haben Sie das Wortspiel bemerkt?).

Meine Zifferblätter sind entfernt worden. Die sind vielleicht sogar noch aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts! Dass die so alt sind, hatte ich ganz vergessen. In meinem Alter ist aber Vergesslichkeit gestattet.

Natürlich werden die Zifferblätter, wenn sie restauriert sind, erneut bei mir angebracht.

Ich werde also wieder „up to date“sein.

Und noch etwas: Haben Sie schon gehört, dass Sie meine Glocken nicht hören?
Tja, das „Nicht Glocken Hören“ wird auch noch eine Weile anhalten.
Turmarbeit und Glockenanschläge vertragen sich leider nicht.
Ich find´s auch schade. Aber: man kann eben nicht immer alles haben.
Das hat mich mein langes Leben gelehrt.
Hach, wie weise ich geworden bin!

So grüßt Sie weise und lebensklug

Ihre alte Dame

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