Ein Gedanke im April 2013

Soviel du brauchst

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Pfarrer
Harald Wilhelm

Drei Wörter. Kurz, knapp, einprägsam. Unter diesen drei Wörtern treffen sich Anfang Mai über 150.00 Menschen in Hamburg. Sie feiern den Kirchentag. Es ist der 34. Mit dabei sein werden auch über 60 Menschen aus unserer Gemeinde.

Die Jüngste ist gerade 7 Jahre alt, die älteste über 80 Jahre. Soviel du brauchst ist keine Frage des Alters.

Liebe, Arbeit, Gesundheit… Familie, Freizeit, Freunde… Geld, Glück, Glaube… Politik, Erdbeeren, Musik… Schule, Sport, Sonne…

Ich hätte auch 15 andere Begriffe nennen können. Sie hätten genauso ihr Recht. Soviel du brauchst wird jedeR von uns anders füllen. Denn das Motto des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentages ist mehr eine Einladung als eine rechtsverbindliche Definition. Das Kirchentagswort liefert keine schnelle, einfache Gebrauchsanweisung für das Leben an sich.

Doch Soviel du brauchst sind mehr als drei Wörter. Es sind Worte aus der Bibel. Ein Halbsatz und doch mehr als nur die halbe Wahrheit.

„Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.“ (2. Mose 16, 18) lesen wir in der biblischen Überlieferung von der Speisung mit Wachteln und Manna. Das Volk Gottes flüchtete aus der ägyptischen Gefangenschaft in die Wüste. Zu dem Gefühl heimatlos zu sein, gesellte sich nun noch die Erfahrung des Mangels. Der Mangel an Wasser und Nahrung war gepaart mit dem Mangel an Zukunftsperspektiven. Die Menschen reagierten unterschiedlich auf die Ressourcenknappheit und auf ihre eigene ungewisse Zukunft. Die einen sammelten soviel wie möglich von den Hühnervögeln (Wachteln) und dem Himmelsbrot (Manna), die anderen wenig. Hatten sie keine Kraft mehr? Hatten sie schon resigniert? Jedenfalls, als man nachmaß, hatte jeder soviel er brauchte. Dafür sorgte Gott.

Der Mangel an materiellen Grundlagen und an (beruflichen) Perspektiven, das Gefühl fremd zu sein, die Frage nach einem verantwortlichen Ressourcenumgang, das Wissen, dass manche soviel wie möglich an sich reißen und andere resignieren – das sind Erfahrungen, die Menschen auch in unserer Zeit machen.

In ihnen stecken viele Anfragen an Gesellschaft, Politik, Kirche – und auch an jeden einzelnen von uns. Wie schaffen wir es, dass jeder Mensch soviel zumLeben hat, soviel er braucht? Fünf Tage Kirchentag in Hamburg werden keine endgültigen, fertigen Antworten liefern können, aber deutlich machen, dass wir nur gemeinsam, in gemeinsamer Verantwortung vor und für einander, das Soviel du brauchst füllen und erfahren können, ohne das Menschen auf der Strecke bleiben.

 

 

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