Ein Gedanke im Februar 2013

Ostern – Begegnung mit dem Leben

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Pfarrer
Randolf Jeromin

Ostern – das Ereignis, an dem sich die Kirche gründete. Kirche beginnt und findet ihre Mitte in der Verkündigung der Auferstehung Jesu, mit der Beschwörung des Sieges Gottes über die todbringenden Strukturen dieser Welt.

Die Botschaft: Jesus ist nicht tot, er lebt! hat die Menschen zu Christinnen und Christen werden lassen. Die ersten Gemeinden haben an jedem Sonntag diese Gewissheit gefeiert. Und sie haben sie dem Eigensinnund dem Egoismus der Mächtigen entgegengestellt.

Ostern bedeutet: Das Ungeschützte bleibt nicht schutzlos. Gottes Wille selbst, sein Bekenntnis zu Jesus Christus, sein Bekenntnis zum Leben, schützt es. Wie schön, von Gott geschützt und bewahrt zu sein. Wie schön, zu singen vom Sieg des Lebens über den Tod. Gottes Macht für den Ohnmächtigen. Gottes Macht auf der Seite der Menschen. Ostern erzählt von all dem. Und die Christenheit ist von Ostern her aufgefordert, Menschen zu schützen und zu bewahren. Gerade auch in den Machtstrukturen dieser Welt.

Wir sind aufgefordert, Menschen in Schutz zu nehmen. Vor Kriegen und Gräueltaten, vor hunger und Verfolgung. Und auch davor, als Flüchtlinge überall unerwünscht zu sein.

Nein, wir haben auch keine perfekte Lösung für so viele Probleme dieser Welt. Aber wir haben eine bestimmte Sichtweise, eine Perspektive, die Macht und Profit (auch den eigenen) kritisch sieht, und die Begegnung sucht mit den Nöten und den hoffnungen aller Menschen Ostern eröffnet diese Möglichkeiten. Denn die biblischen Ostererzählungen sind Begegnungsgeschichten.

Menschen begegnen am offenen Grab der Botschaft vom Leben. Maria begegnet dem Auferstandenen. Und so begegnet die fragende, die manchmal unsichere, aber zu Ostern endgültig bestätigte hoffnung Gott, der sein Lied vom Leben singt. So werden wir frei, uns einzumischen in die Fragen dieser Welt. So können wir protestieren gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt und uns einsetzen für Behutsamkeit und Menschenwürde. So erhalten wir die Kraft, getrost und Neues wagend einzutreten für das Leben. So können wir lernen, Menschen in Schutz zu nehmen, die von den Mächten und den Mächtigen dieser Welt bedrängt werden. So können wir gemeinsam das Leben feiern.

Randolf Jeromin

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